Was bringt 2013 in Sachen B2B Marketing?
Vor einigen Tagen hat Uri Bar-Joseph von MarketingProfs dazu den Beitrag “B2B Marketing Trends” geschrieben. Wir haben hier die Kernaussagen in Deutsch zusammengefasst – und einige weitere Aspekte selbst hinzugefügt (optisch abgesetzt).
Uri ist sich der Unsicherheit seiner Prognosen bewusst, wir natürlich auch, und wir fügen noch hinzu:
- Primär sind die USA adressiert, uns Deutsche erreicht das alles wohl ein wenig später – wenn überhaupt: siehe Prognose-Unsicherheit.
- Es ist generell schwierig, B2B als Ganzes zu behandeln. Zu groß sind die Unterschiede von Branche zu Branche und von SOHO zu großen Corporations.
Trotzdem gibt der kleine Ausblick interessanten Einblick in die (absehbar) kommende B2B Marketing Welt.
Außerdem: je globaler die Medien und ihre Reichweiten werden, desto kleiner wird der zeitliche Versatz, den die Trends auf ihrem Weg über den Atlantik erfahren. Weltweit mögliche Methoden werden auch weltweit eingesetzt.
Hier sind die 10 B2B Marketing Trends:
- Digitales Marketing wird weiter wachsen. Online Medien haben bereits eine führende Rolle in Sachen Nachfrage Erzeugung und Lead Generierung im B2B Bereich – diese Position wird weiter ausgebaut. Doch es kommt mehr. Angesichts der ungebremst wachsenden Nutzerzahlen werden die Unternehmen alle Größenklassen ihre digitalen Techniken und Taktiken generell ausbauen.
- Services für Digitales Marketing werden sich weiter ausbreiten. Agenturen, Berater und innovative Services werden Unterstützung für digitales Marketing anbieten und auf wachsenden Bedarf stoßen. In Deutschland wird allerdings die Bereitschaft, externe Hilfe anzunehmen, verhaltener sein als in den USA. Zu groß ist immer noch das Misstrauen in den Top Etagen – und damit der Kontrollbedarf.
- Content wird mehr denn je gefragt sein und damit die Methoden, Anwendungen und Services für seine Erzeugung. Schon jetzt sind die sozialen Medien führend im B2B Content Marketing – wir haben darüber berichtet. Wertvoller Content wird das Gold der kommenden Jahre sein, für B2B wie für B2C. Wer weiß, wie man ihn generiert und transportiert, ist auf eine Mine gestoßen.
- Integrierte Marketing Maßnahmen werden populär. Neue Medien und Methoden (Social Media, Content Marketing, Mobile Marketing, Retargeting) etablieren sich, festigen ihre Position und werden verstärkt im Verbund, d.h. vernetzt eingesetzt. Die Zielgruppenansprache über unterschiedliche Kanäle in den verschiedenen Phasen der Kommunikation wird in einer Kampagne kombiniert – und der Markt wird Werkzeuge entwickeln, die Effektivität solcher multiplen Ansprachen zu messen. “1-dimensionale Kampagnen” werden an Bedeutung verlieren.
- Direct Mail kommt zurück. Eine sehr konkrete Form der Integration wird die Kombination von Online- und Offline-Ansprachen sein. Direct Mail in Kombination mit digitaler Adressierung kann das allgemeine Rauschen durchdringen. So entsteht eine bezahlbare, messbare und effektive Form der Ansprache.
- Big-Data-Anwendungen für das Marketing werden entwickelt. In den letzten 18 Monaten war “Big Data” eines der großen Themen. Hier haben sich die großen IT-Player (IBM, MS, HP und andere) stark engagiert. In der Tat: Die täglich neu entstehenden Informationsmengen – zu Märkten und Produkten etwa – sind so riesig, dass ihre Auswertungen ganz neue Herausforderungen darstellen. Hier ist mit innovativen Lösungen zu rechnen, etwa im Bereich Market Research, die dem Marketer zeitnah bei der Arbeit unterstützen.
- Das Unmessbare wird messbar. In 2012 wurde viel über Messbarkeit und ROI gesprochen. Marketing Aktivitäten müssen verstärkt so begründet und gerechtfertigt werden. Dieser Trend, die Anforderung der Rechenbarkeit von Marketing Maßnahmen wird anhalten. Es werden Methoden entwickelt, auch die Bereiche messbar zu machen, die bisher für “unmessbar” galten.
- PPC = “pay per click” wird von anderen Vergütungs-Wegen verdrängt. In 2012 konnte man in den USA bereits erste Zeichen für einen Rückgang der PPC-basierten Aktionen bei B2B-Firmen verzeichnen. Im nächsten Jahr werden sich mehr Unternehmen vom PPC-Modell abwenden hin zu bezahlbareren und effektiveren Kanälen und Methoden.
- Marketing gibt mehr Geld für Software aus. Mehr Messbarkeit, verstärkte Big Data Auswertungen, mehr Integrations-Services: ein größerer Teil der Marketing Budgets wird in Software und Anwendungen investiert. Aus Budgetierungssicht ist diese Entwicklung nicht uninteressant, da solche Positionen abgeschrieben werden können.
- Verkaufs-Aufgaben wandern ins Marketing ab. Die Digitalisierung des B2B-Marketings ist nicht zuletzt mit der Übernahme von Sales-Funnel-Aufgaben begründet. Nachfrage- und Lead- Generierung stehen hier an erster Stelle, ebenso Lead Qualifikation. Das bedeutet, dass Marketing in der Zukunft nicht nur analytische Verkaufs-Aufgaben, sondern auch konkrete operative Prozess-Schritte übernimmt und so in die Arbeit der Sales Teams direkt “hineindirigiert”.
Stimmen diese Punkte mit Ihren Erwartungen überein? Welche Trends sehen Sie für 2013? Ich freue mich auf Ihr Feedback.
Ihnen allen wünsche ich einen harmonischen Jahreswechsel und ein gesundes und erfreuliches 2013. Bleiben Sie uns treu, wir wollen spannende Themen im neuen Jahr behandeln.
was Punkt 8 und das PPC Model betrifft muss ich, zumindest für Deutschland gesehen, wiedersprechen. Immer mehr KMUs bekommen so langsam aber sicher mal mit dass man mit Google AdWords deutlich mehr Traffic auf seine Seite bekommt. Klar, das sind i.d.R. die ganz tollen “Ich würde da gerne mal 200€ im Monat investieren” Kunden…aber auch Kleinvieh macht Mist
Vieles, was in diesem und ähnlichen Artikeln als Trend dargestellt wird, ist schon lange gängige Praxis. Content Marketing, Integrierte Kommunikation und Messbarkeit gehören seit langer Zeit in eine tragfähigen Maßnahmenplanung – wenngleich sie vielleicht heute unter anderen Namen gehandelt werden. Erfreulich ist natürlich, dass PR-Prinzipien nun auch im Marketing Einzug finden.
Danke für den Kommentar und: ja, stimmt, es gibt keinen Neuschnee, alles schon mal dagewesen (Erich Kästner). Auf der anderen Seite wird oft unterschätzt, dass schon formal ähnliche Unternehmen manche “Trends” sehr unterschiedlich sehen. Was z.B. für LH Standard sein mag, kann für airberlin innovativ sein. Noch stärker gibt es das im Branchenvergleich: Für die FMCG-Branche war Trade Marketing schon Anfang der 80er Standard, für manche andere, nicht so hektische Branche, war das Thema Ende der 90er noch heiß. Und es wachsen Generationen nach. Manches, was für alte Hasen ein noch älterer Hut ist, ist für jüngere Manager mitunter eine überraschende Botschaft. Altogether: eine Momentaufnahme: was ist gerade angesagt mit ein paar neuen Erkenntnissen, hat aus meiner Sicht schon ihre Bestandberechtigung.
Freundliche Grüße, Peter Apel